Von der Kripo in Bedrängnis gebracht

In Neukölln mit einem Computer im Plastiksack die Straße hinunter zu laufen, ist keine gute Idee. Gerade mal zwei- bis dreihundert Meter bin ich gekommen, als mich schon ein netter Zivilbeamter stoppte. "Kriminalpolizei... Sprechen Sie meine Sprache?... Ausweis bitte... Was ist denn in dem Sack da?" Inzwischen haben sie mich mit drei Mann und einer Frau umstellt. Hintergrund dieser Aktion sind natürlich die vielen Einbrüche im Kiez - in einer meiner früheren WGs haben sie alle halbe Jahr eingebrochen, da hat man sich fast schon dran gewöhnt. - OK, und ich hier mit dem Rechner im Arm, das sah schon irgendwie blöd aus!

Doch noch fühlte ich mich sicher. Das war der zweite Fehler! - Ich war auf dem Weg, meinen Rechner zur Reparatur zu geben (Speicher defekt), und hatte glücklicherweise sogar die Kaufquittung wegen der Garantie dabei. Zwar stand auf der Quittung kein Name, aber es reichte erstmal, um den Bullen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Personalienüberprüfung auch negativ. "Sieht so aus, als hätten wir diesmal den Falschen erwischt! Haben Sie vielleicht sonst etwas dabei, was Sie nicht dabei haben sollten?" Doch auch damit kann ich nicht dienen: Er spielt wohl auf Drogen an und ich könnte ihm etwas von der fünften buddhistischen Tugendregel erzählen, die Alkohol und jegliche Drogen verbietet, aber ich denke, es geht schneller, wenn ich einfach meine Taschen ausleere.

Schließlich lasse ich den Beamten selbst ein wenig in meinen Klamotten herumstöbern, wobei er bemerkt, dass ich ja ganz schön viel Geld dabei habe - in diesem Augenblick durchfährt es mich wie ein Blitz: Daran hatte ich nicht gedacht! Klar habe ich viel Geld dabei, gehört zum Job, aber ihm das zu verklickern, hätte ich keine Chance. Das könnte jetzt länger dauern!! - Zum Glück hat er nur meine unsortierten Scheine gefunden - falls er auf mein Cache mit der Bankroll stößt, ist der Tag gelaufen. Mir wird heiß. So schnell kann's gehen, selbst wenn du eigentlich gar nichts schlimmes getan hast... Dann die Erlösung: Er findet das Cache nicht, ist mir inzwischen auch gut gesonnen, weil er gemerkt hat, dass ich nicht der Typ bin, für den er mich anfänglich gehalten hat. Wir wechseln noch ein paar freundliche Worte, dann zieht das Einsatzkommando weiter und ich sammle erleichtert wieder meine Sachen zusammen. 

Unschuldig zu sein, reicht nicht immer aus, um sicher zu sein. In einer misstrauischen Atmosphäre können sogar Harmlosigkeiten verdächtig werden.